Unsere Geschichte
 

1902 Gründung der Gemeinschaft in Schwäbisch Gmünd durch die Arztwitwe Frau Agnes Philippine Walter und Pfarrer Konrad Kirchner, Pfarrer an der Wallfahrtskirche St. Salvator und Gründer einer Kommunikantenanstalt für Kinder aus der Diaspora.
 
  
Agnes Philippine stellte Vermögen und Grundstück zum Bau des Canisiushauses zur Verfügung und ermöglichte so den Beginn des gemeinsamen Werkes. In dem neuen Gebäude wurde auch die Kommunikantenanstalt untergebracht. Pfarrer Konrad Kirchner und die Barmherzigen Schwestern von Untermarchtal betreuten die Kinder.
 
 
Agnes Philippine Walter bildete mit fünf jungen Frauen aus dem Dritten Orden des hl. Franziskus von Assisi eine kleine Gemeinschaft, die den Geist der radikalen Nachfolge Jesu in den Spuren des hl. Franziskus in ihre Zeit und Gesellschaft hineintragen wollte.
Im Gebet, vor allem in der eucharistischen Anbetung, brachten die Frauen stellvertretend für viele Gott Lob, Dank und Ehre dar und legten Fürbitte ein für die Menschen in ihren vielfältigen Anliegen und Nöten.
Sie fertigten Paramente in vielgestaltiger Art für bedürftige Diasporagemeinden. 

Einen Einblick in das geistliche Leben von Agnes Philippine Walter gibt uns ihr Tagebuch. 1904 schrieb sie folgende Merksätze .

Eine weitere Tagebuchnotiz gibt uns Einblick in ihr Eucharistieverständnis.

Ihr Leben und ihre religiöse Haltung blieben auch nach ihrem frühen Tod Vorbild für die kleine Gemeinschaft.
 

1923
Übernahme der Kommunikantenanstalt durch die junge, neu entstandene Gemeinschaft.

Bis etwa 1925 war das Canisiushaus Kommunikantenanstalt. Im Laufe der Jahre bis zum Zweiten Weltkrieg entwickelte sie sich zu einem Kinderheim mit Volksschule.
 
  
  

1931 Die Gemeinschaft wurde zur Kongregation erhoben und somit in die große franziskanische Familie eingegliedert. Im selben Jahr erfolgte die Gründung der ersten Schwesternstation mit Krankenpflege und Kindergarten in Fellbach. Weitere Gründungen folgten vor und nach dem Zweiten Weltkrieg u. a. in Stuttgart-Vaihingen, auf dem Härtsfeld und im Kreis Biberach.
 
1940  Das Canisiushaus wurde von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, die Klosterkapelle zum Speisesaal umfunktioniert. Etwa 70 Kinder mit ihren Erzieherinnen und Lehrerinnen mussten ins Exil nach Schelklingen, später von dort nach Rottenburg und letztlich nach Heiligenbronn bei Schramberg.
Die in Schwäbisch Gmünd verbliebenen Schwestern und der Hausgeistliche waren auf das ehemalige Wohnhaus von Agnes Philippine Walter und auf Schlafgelegenheiten in Privatwohnungen hilfsbereiter Nachbarn angewiesen.
 
 
Trotz großer Raumnot konnten Gottesdienste, Stundengebet und eucharistische Anbetung während des Krieges weitergeführt werden.
 
1946 Im Juni 1946 kehrten die Schwestern mit 110 Kindern aus dem Exil zurück. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Kinderheim zu einer differenzierten Jugendhilfeeinrichtung mit einer Sonderschule für Erziehungshilfe.
 

 
1950 - 1951 Der steigende Bedarf an Heimplätzen machte eine Erweiterung der Einrichtung auf dem Sonnenhof in Schwäbisch Gmünd und in Bopfingen-Unterriffingen notwendig.
 
    
 
1972 Nach dem Krieg betreuten die Schwestern alte und kranke Menschen u.a. in Delmensingen (Kreis Biberach) und in Schwäbisch Gmünd. Von 1972 an wurde diese Arbeit im neu erbauten Altenheim Marienhöhe in Aalen-Wasseralfingen weitergeführt.
 

 
1990 Wie sich unsere Gesellschaft im Laufe der Jahrzehnte gewandelt hat, so wandelte sich auch die soziale Arbeit. Sie gestaltete sich vielfältiger und differenzierter. Räumliche Erweiterungen, Umbauten und Neubauten wurden erforderlich. Längst hatte die Zahl der freien Mitarbeiter die der Schwestern überstiegen. Die Aufgaben wurden zunehmend komplexer und forderten entsprechend erhöhten Einsatz. So begannen wir zu fragen, wie unsere klösterliche Gemeinschaft und ihre Einrichtungen gut in die Zukunft geführt werden könnten.
Ein Prozess des Umdenkens und der Neuorientierung begann. An dessen Ende stand: Wir trennen uns von unseren Werken und geben sie in eine andere Trägerschaft. Ein neuer Weg begann, der manche Dunkelheiten und Nebelstrecken in sich barg. Wir gingen ihn Schritt für Schritt, denn „Der Segen Gottes entfaltet seine Kraft nur in der Entscheidung und im Gehen.“ (aus einer Vätergeschichte). Wir beschlossen, Schwerpunkte zu setzen, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren und gaben unsere Einrichtungen in andere Hände.
 
1993 So stifteten wir das Altenheim Marienhöhe einer großen caritativen Stiftung zu.
 
1997 Die Jugendhilfeeinrichtungen wurden umstrukturiert und in eine gGmbH umgewandelt, in der wir heute die Rolle des Gesellschafters inne haben.
 
  

 
In dieser Zeit der Neuorientierung befassten wir uns intensiv mit Fragen wie:
  • Aus welchen Quellen lebte die kleine Gemeinschaft in ihren Anfängen?
  • Wie kann unsere Gemeinschaft heute zum Sauerteig in Kirche und Gesellschaft werden?
  • Wie leben wir aus dem Wort der Heiligen Schrift?
  • Was bedeuten uns Anbetung, Versöhnung, Heilung?
  • Wie leben wir unsere Gelübde?
  • Was müssen wir loslassen, um zur inneren Freiheit zu gelangen?

Auf diesem Weg der Besinnung auf unseren ureigenen Auftrag, wurde uns immer klarer, wie eng Kloster und Einrichtungen miteinander verflochten waren. Der für ein Kloster notwendige Raum der Stille und der Klausur fehlte. 
Außenstehende brachten den Gedanken eines Klosterneubaus ins Gespräch. Nach anfänglich heftigem Abwehren begannen wir uns doch mit dieser Frage auseinander zu setzen. Trotz der zurückgehenden Zahl an Mitgliedern und dem fortschreitenden Älterwerden der Gemeinschaft fiel die Entscheidung für einen Neubau - im Vertrauen in die Führung Gottes durch alle Ungewissheiten und Dunkelheiten hindurch.
 

1997 Im Juni erfolgte der erste Spatenstich für das neue Kloster.
 
    
 
1998 Bei der Grundsteinlegung 1998 betonte Bischof Dr. Walter Kasper: 
„... Aus dem Glauben heraus wagen Sie einen neuen Anfang; aus dem Glauben heraus machen Sie sich auf den Weg zu einem neuen Aufbruch.... Sie verweisen uns nicht nur auf das Fundament (Christus), auf dem allein wir sicher stehen und gehen können. Sie wollen sich als lebendige Steine einbringen in den Bau. ... Die Orden waren schon immer solche lebendigen Steine im Bau der Kirche, und davon bin ich überzeugt, allem äußeren Anschein zum Trotz – sie werden es auch in Zukunft sein. Die Orden waren in der bisherigen Geschichte notwendig, und sie sind uns heute erst recht bitter notwendig als Gegenakzent, ja als Protest gegen die immer wieder lauernde Gefahr der Verbürgerlichung der Kirche.“

    
 
Wie sich zu Zeiten des hl. Franziskus von Assisi alle Brüder an Pfingsten zu den sogenannten ‚Pfingst- oder Mattenkapiteln’ zusammenfanden, um sich gegenseitig auf ihrem Glaubensweg zu bestärken und anstehende Fragen zu besprechen, so trafen sich an Pfingsten 1999 alle Schwestern unserer Gemeinschaft zum Pfingstkapitel. 
Es standen Fragen an wie: Was wollen wir im neuen Kloster beibehalten, was neu aufnehmen? Welche Bedürfnisse haben die Menschen, die in die neue Kirche kommen? - Ein wichtiges Element im geistlichen Leben der Schwestern ist die eucharistische Anbetung. Dabei spielt auch der Gedanke von Anbetung eine Rolle, die zur Lebenshaltung wird. - Die Frage nach dem Lebensstil heute und in Zukunft war ein weiteres bedeutsames Thema. Weiter beschäftigten sich die Schwestern mit neuen Formen des Miteinanders: Ordensleute und Laien, Alleinstehende und Verheiratete, Frauen und Männer, Junge und Alte.... Menschen auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens, wie auch nach Vertiefung ihres Glaubens. Von Such- und Weggemeinschaft, von Ökumene und vielem anderen war hier die Rede.

 
  

2000 Am Dreifaltigkeitsfest nahm Diözesanadministrator Weihbischof Dr. Johannes Kreidler die Weihe der Klosterkirche und des Klosters vor. In seiner Ansprache betonte er unter anderem: 
„Eine Botschaft, die Sie als Schwesterngemeinschaft am Dreifaltigkeitssonntag weitergeben, könnte heißen: der Dreifaltige Gott ist mit uns, und wir wollen mit ihm sein. Braucht unsere Zeit nicht dringend solche Botschaften?...Ich bin dankbar, dass Ihr neues Kloster mit der Klosterkirche ein Fenster ist, das Menschen einlädt, ihre Augen über die diesseitige Welt hinauszuheben .“ 
Silja Walter, eine Benediktinerin aus der Schweiz, verfasste die Texte für die Liturgie des Festgottesdienstes - zugeschnitten auf den Ort des Klosters und den Auftrag der Gemeinschaft:

Wachen ist unser Dienst,
auch für die Welt...
Sie ist oft so leichtsinnig,
läuft draußen herum
und nachts ist sie 
auch nicht zuhause.
Denkt sie daran, 
dass du kommst?
... Herr wir haben dich erkannt;
rufen dich,
für dich entbrannt: 
Komm, Herr Jesus!
Nichts kann unsere Liebe hemmen,
Denn du selbst bist ihre Glut,
unaufhaltsam ihre Flut...
   
Heute Vertrauend auf Gottes Führung gehen wir den Weg in die Zukunft und spüren hinein in die Sehnsucht und die Suche der Menschen nach dem Sinn ihres Lebens, nach dem, was trägt. Unser gemeinsames Leben in seiner Vielfalt, Zerbrechlichkeit und immer neuer Versöhntheit soll Zeugnis dafür sein, dass es sich lohnt, Christus in den Spuren des heiligen Franziskus nachzufolgen und an Gottes Hand den Weg zu gehen, den er uns weist. Wir hören hinein in die Not unserer Zeit, in die Nöte der Menschen und suchen nach Wegen, mit unseren Kräften ihre Not zu lindern. 
Die eucharistische Anbetung wollen wir als kostbares Gut in die Zukunft hineintragen. Sie soll unser Leben prägen bis hinein in die innere Haltung einer tiefen Ehrfurcht allem Geschaffenen gegenüber, bis hinein in die alltäglichen Vollzüge unseres Lebens, um letztlich in den Lobpreis des Schöpfers zu münden. Vor allem aber stehen wir mit unserem Beten für die Menschen und für die Welt vor Gott ein.