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Sr. Benedicta – Gestalt und Gestaltung

Ein Kloster hat seine eigenen Regeln. Dazu gehört, dass der Geburtstag als „weltliches“ Datum nicht wichtig ist. Gefeiert werden der Kloster-Namenstag, der die spirituelle Ausrichtung eines Klosterlebens anzeigt, und die Professgedenken. Und hier auch nur die herausragenden: 40, 50, manchmal auch 60 Jahre. Wenn allerdings ein besonderer Geburtstag ansteht, gilt diese Regel nicht. Dann wird sogar kräftig gefeiert.

Sr. Benedicta Ewald von den Franziskanerinnen der ewigen Anbetung in Schwäbisch Gmünd wird 80 Jahre alt. Bekannt ist sie nicht nur in Schwäbisch Gmünd, deren Bürgerin sie seit ihrem Klostereintritt 1960 ist, und in der sie sich als Pädagogin und Schulleiterin der Canisius-Schule einen exzellenten Ruf erwarb. In dieser Eigenschaft war sie zudem maßgeblich beteiligt an der Entwicklung eines Bildungskonzeptes für Sonderschulen der Erziehungshilfe und der Heimerziehung – und baute ein neues Schulgebäude. Von 1988 bis 2007 wirkte sie in der Diözese Rottenburg-Stuttgart als Generaloberin eines ihrer Klöster. Über die Grenzen von Stadt und Bistum hinaus wurde sie bekannt, weil ihr und ihren Mitschwestern etwas gelang, was in der Klosterlandschaft von heute eine absolute Seltenheit darstellt: Ab 1990 konzipierte sie mit ihrer Gemeinschaft den Bau eines neuen Klosters, das im Jahr 2000 an der Bergstraße bezogen werden konnte. Vorausgegangen waren ab 1994 die kontinuierliche Abgabe der Werke zur Sicherung ihrer finanziellen Unabhängigkeit, 1997 der Aufbau der St. Canisius Kinder- und Jugendhilfe gGmbH und 2007 die Gründung der Agnes-Philippine-Walter Stiftung. Danach erneuerten die Schwestern ihre geistliche und rechtliche Lebensordnung, die das Leben der Gemeinschaft nach innen hin bestimmt.

In engem und gutem Kontakt mit der Stadt, ihren Repräsentanten und Bürgern, mit Vertretern des Landratsamts und sozialen Trägern, sowie Bildungseinrichtungen in der Region stellte das Kloster Überlegungen zur Weiterentwicklung seiner sozialen und geistlichen Aufgaben an. Da durch die abnehmende Zahl der Schwestern der eigene Raumbedarf sank, konnten zunächst verfolgte Jesidinnen mit ihren Kindern aufgenommen werden und danach die Idee eines Hospizes für Menschen in der letzten Lebensphase Gestalt gewinnen.

Sr. Benedicta erkannte immer wieder die Zeichen der Zeit. Mit Mut, Konsequenz und voller Ideenreichtum packt sie mit ihren Schwestern und vielen Unterstützern die Aufgaben einer geistlichen Gemeinschaft je neu an und hat dabei zugleich ein wachsames und sachkundiges Auge auf ihre konkrete Umsetzbarkeit. Ihre große Sensibilität und Menschenfreundlichkeit lassen sie sowohl die alltäglichen Nöte der Menschen als auch die geistlichen Herausforderungen einer in schwere Turbulenzen geratene Kirche sehen und angehen.
Die Aufgaben des Klosters der Franziskanerinnen werden auch in Zukunft nicht weniger werden. Im Gegenteil: die Stadt braucht ihr Kloster, die Menschen brauchen geistliche Frauen in ihrer Mitte, die etwas verstehen von konkreter Hilfe wie vom geistlichen Trost - damit das Leben gelingt. So gilt für Sr. Benedicta der Geburtstagswunsch: Ad multos annos – auf weitere glückliche, gesegnete und fruchtbare Jahre.